Spendenkonto Rettet Kinder, Bern 30-374024-1

Spendenkonto 30-374024-1

Reisebericht Hilfstransport 2016; 16. bis 21. März

Reisende: Ruedi Eggimann, Luzia Zehner, Judith Krauer

Zurück

Auf Nachfrage von einigen Besuchern unserer Webseite erscheint nach drei Jahren Pause wieder ein Reisebericht. Natürlich hat unser Hilfstransport auch in den Jahren 2013–2015 stattgefunden. Wir besuchen das Kinderhaus mindestens einmal im Jahr. Im 2013 begleitete mich Irmgard Wild aus Nassen, im 2014 Vreni Bucher aus Münchenbuchsee und 2015 Martin Forderkunz und Irmgard Wild. Martin ist immer noch im transfair engagiert und hatte mit weiteren Mitgliedern aus dem Vorstand schon immer ein Ohr für die Bedürfnisse von Benachteiligten. Er hat massgeblich dazu beigetragen, dass auch Rettet Kinder bei den Hilfsprojekten des transfair berücksichtigt worden ist. Irmgard Wild und Vreni Bucher unterstützen unseren Verein ebenfalls schon seit einigen Jahren.

An dieser Stelle machen wir auch gerne etwas Werbung für unsere Reisen nach Rumänien. Der Bus hat Platz für drei Personen. Wer Interesse hat, mit uns mitzureisen, ist herzlich eingeladen. Judith Krauer nimmt Anmeldungen entgegen und gibt auch gerne weitere Details.

Traditionell fahren wir wenn möglich immer vor Ostern nach Odorheiu-Secuiesc, um im Kinderhaus Bice Boca das abzuladen, was sich das ganze Jahr an materiellen Spenden anhäuft. Und wie jedes Jahr wurde es auch im 2016 zur Herausforderung für das Packteam, alles in den grossen Bus zu laden. Mit Ruedi Eggimann als Packer schafften wir aber in einigen Stunden das fast Unmögliche. Keller und Garage waren leergeräumt und die Säcke und Schachteln mit Kinder- und Erwachsenenkleidern, Kinderschuhen, Bettwäsche, Frotteetüchern, Stoff und Geschirr im Bus verstaut.

Am Mittwoch-Morgen 16. März traf sich die kleine Reisegruppe um 5.15 Uhr bei der Lyssach-Meile, um möglichst vor dem grossen Berufsverkehr und den Staus an der Grenze aus der Schweiz zu kommen. Die Wetterprognosen versprachen gutes Wetter und dank einer problemlosen Fahrt via München, Passau, Wien, Budapest trafen wir um 19.30 Uhr an unserem ersten Etappenort ein. Mako, die ungarische Stadt ganz im Süden des Landes ist schon seit Jahren Übernachtungsort.

In Erwartung, dass wir in Rumänien ein paar weitere Autobahnabschnitte befahren könnten und das Reiseziel am späten Nachmittag erreichbar wäre, machten wir uns am nächsten Tag erst nach 7 Uhr auf den Weg. Bereits an der Grenze in Nagylac staunten wir, dass der gewohnte Lastwagenstau ausblieb und die Grenze kaum bevölkert war. Den Grund erfuhren wir kurz darauf, als wir schon bald den ersten Wegweiser zur Autobahn entdeckten. Neu kann man direkt von Ungarn auf der Autobahn über die rumänische Grenze fahren. Eine weitere Erleichterung auf unserem Weg. Auch war die Autobahn wieder an einigen Stellen erweitert worden, sodass nun auf dem Weg bis Sibiu/Hermannstadt nur noch zwei grosse Abschnitte fehlen. Wenn diese in schätzungsweise zwei Jahren stehen, wird die reine Fahrtzeit auf gut 17 Stunden schrumpfen und weit weniger beschwerlich sein. In den ersten Jahren unserer Hilfstransporte waren es noch um die 23 Stunden gewesen, die Strassen voller Löcher und vorallem nachts auch gefährlich wegen der vielen unbeleuchteten Pferdefuhrwerke.

Wenn aber ein Team zusammen reist, in dem einfach die Chemie stimmt, zählen die Stunden sowieso nicht. Ruedi Eggimann reiste schon zum dritten Mal mit und erwies sich als gewohnt umsichtiger Fahrer und spannender Unterhalter. Luzia Zehner kannte Rumänien schon von einer anderen Reise, war aber das erste Mal als «Retterin» unterwegs. Sie war von der ersten Minute ins Team integriert und machte auf der Reise alles mit, auch dann noch, als sie mit einer heftigen Magengrippe zu kämpfen hatte, die sie erst später zuhause richtig auskurieren konnte.

Am späten Nachmittag des 17. März – zufälligerweise Zsuzsannas Geburtstag – trafen wir bei gutem Wetter in Odorheiu ein. Zsuzsanna und ihre Eltern erwarteten uns bereits. Im Nu hatten Ruedi und Luzia den Bus entladen und viele Paletten gefüllt mit Sachen, die von den Betreuern im Heim wie auch vielen weiteren bedürftigen Familien sehnlichst erwartet werden. Am anderen Tag werden wir im Kinderheim wieder auf viele Sachen stossen, die wir in früheren Jahren hier abgeladen haben.

Aber zuerst gibt es auch für uns nun eine verdiente Rast. Wir fahren nach Okland, rund 25 km ausserhalb Odorheiu-Secuiesc und lassen uns in der Pension Siculus etwas verwöhnen. Das Dorf ist noch sehr ursprünglich. Die ersten Strassenlaternen sind nun zwar an der Hauptstrasse montiert, Häuser werden renoviert und es entsteht auch ab und zu ein Neues, aber die Bewohner leben noch recht ursprünglich. Das klassische Bild ist das kleine Häuschen hinter dem Tor, ein Innenhof, in dem die Hühner und Schweine sich frei bewegen und ein Stall – auch das Wasser wird noch aus den Brunnen im Hof hochgepumpt. Auch den Schafhüter, der am Morgen die Tiere der Dorfbewohner einsammelt, kurz bevor der Kuhhirt mit seiner Herde das Dorf verlässt, gibt es noch. Die Hirten verbringen den ganzen Tag in den Hügeln rund ums Dorf und kommen erst abends wieder zurück. Dieses Jahr können wir das Spektakel aber nicht erleben, da auch in Rumänien der Schnee noch nahe und die Felder noch mehrheitlich braun sind.

Die kommenden zwei Tage sind gefüllt mit unzähligen Eindrücken. Wie läuft es in unserer Behindertenwerkstatt? Stolz wird von den Kindern und Betreuern die neue Keramikfertigung demonstriert. Vom Formen der Kacheln und Vasen bis zum Bemalen und Brennen ist es ein langer Weg. Aber die Resultate lassen sich sehen und wir werden natürlich die ersten Kunstwerke mit nach Hause nehmen.

Im Therapiezentrum ist kurz vor den Osterferien nicht mehr viel los. Ein kleiner Junge mit einer Fehlstellung seiner Füsse trainiert unter fachkundiger Anleitung und im Musik- und Lichtraum wird ein schwierigerer Fall behandelt: Ein zweijähriger Bube muss lernen, seine Artikulationen und seinen Zorn, der sich im wild-um-sich-schlagen äussert, in den Griff zu bekommen.

Auf Ostern können viele Kinder für eine gute Woche nach Hause. Ostern ist eines der grossen Familienfeste und die Kinder, die eine intakte Familie haben, freuen sich nun auf diese Tage. Wir dürfen zwei Mädchen und zwei Jungen nach Hause begleiten und ihre Familien kennenlernen.

Unvergesslich bleiben uns die Eindrücke beim Besuch einer Roma-Familie, die in den Hügeln von St. Martins zu siebt in einem Häuschen mit zwei Mini-Räumen lebt. Sanitäre Einrichtungen oder Wasser aus der Leitung – Fehlanzeige (das Wasser holen sie in Kesseln aus dem kleinen Bach, der 10 Minuten Fussmarsch tiefer unten im Tal fliesst). Der kleine Gaborka wurde von der ganzen Familie sehnlichst erwartet und wir wurden sofort «in die gute Stube» eingeladen. Ähnlich eindrücklich der Besuch bei Tamas, der mit seinem Bruder und den Eltern in einem schmucken Dorf auf etwa 1000 m lebt. Seine unbändige Freude, als er seinen Vater entdeckt, der uns zu Fuss entgegenläuft, ist unbeschreiblich. Melania lebt mit ihrer Mutter und einem Bruder in einer Sozialwohnung in Odorheiu, Erzsike’s Mutter begrüsst uns mit einem «Herzlich Willkommen», sie kommt ursprünglich aus dem nahen Städtchen Schässburg und hatte in der Grundschule noch Deutsch-Stunden.

Die Eindrücke, die diese Besuche bei uns hinterlassen haben, sind sehr wertvoll. Wir können abschätzen, was auch diesen Familien noch fehlt und unsere Hilfstransporte entsprechend gestalten. Was sicher ist, diese Kinder und Familien werden noch lange auf Hilfe von aussen angewiesen sein. Und unsere gebrauchten Sachen, vorallem Kleider und Schuhe aus der Schweiz bereiten hier ein zweites Mal Freude und werden noch lange getragen.

Auch auf unseren diesjährigen Besuch hin haben die Kinder viele neue Karten gebastelt, von denen wir einige gleich brauchen, um unseren treuen Spendern Danke für ihre Unterstützung zu sagen. Als wir uns am 19. März abends von allen verabschieden, schwingt etwas Wehmut mit, aber wir wissen auch, dass wir nächstes Jahr wieder fahren, sobald die ersten warmen Sonnenstrahlen den Schnee schmelzen lassen.

Die Rückreise gestalten wir jedes Jahr unterschiedlich. Die letzten zwei Mal waren wir immer über Tirgu-Mures, Turda, Cluj-Napoca, Debrecen gefahren und hatten 2014 einen Aufenthalt in Budapest eingelegt und 2015 sogar am Balaton. Dieses Jahr fahren wir wieder über Sibiu auf dem direkten Weg zurück, übernachten in einer netten Pension in Österreich und treffen am 21. März nachmittags wohlbehalten wieder in Bern ein.

Ein herzliches Dankeschön an die zwei Reisebegleiter Luzia und Ruedi und die vielen Helfer rundherum, die uns vor und während der Reise unterstützen. Kaum ist sie vorbei, planen wir bereits wieder das nächste kleine Abenteuer – im März 2017 fahren wir wieder. Mitreisende herzlich willkommen.

Burgdorf, im Juli 2016 / Judith Krauer

 

Fotos der Hilfstransporte von 2014, 2015 und 2016 mit den Begleitern Vreni Bucher, Irmgard Wild und Martin Forderkunz sowie Luzia Zehner und Ruedi Eggimann.