Spendenkonto Rettet Kinder, Bern 30-374024-1

Spendenkonto 30-374024-1

Reisebericht Hilfstransport 2019; 21. bis 26. September

Reisende: Sabina Maag und Stephan Meyer

Zurück

Zwei Jahre ist es her, seit wir gemeinsam das letzte Mal einen Hilfsgütertransport nach Oderheiu machten. Damals machten wir mit dem österreichischen Zoll unangenehme Erfahrungen, weil wir beim Verlassen der Schweiz den Transport nicht anmeldeten. Diesmal haben wir uns vorgenommen, alles richtig zu machen um Problemen aus dem Weg zu gehen. Leider kam alles anders, daher wird dies auch nicht ein normaler Reisebericht sondern mehr ein Erlebnisbericht über Erfahrung mit Grenzformalitäten.

Voll motiviert treten wir unsere Reise mit Hilfsgütern zum Kinderheim in Oderheiu Secuiesc an. Samstagmorgen um 5 Uhr in der Früh fahren wir ab, um die erste Etappe bis kurz vor der rumänischen Grenze, noch bis am Abend zu schaffen.

Alles ist wie jedes Jahr, das Auto vollgepackt und von Judith bei uns zu Hause abgestellt, inkl. einer Ladeliste für den österreichischen Zoll. Aus der Erfahrung von 2017 als der österreichische Zoll uns auf der Strasse abfing und mit einer saftigen Busse drohte, weil wir keine Zollpapiere hatten, wollten wir diesmal alles richtig machen und die Ladeliste am Zoll abstempeln lassen. Um 6:30 Uhr erreichten wir den Grenzzoll Schweiz-Österreich und mussten dann vom Zöllner erfahren, dass es neuerdings ein T1 Formular braucht für den Warentransport nach Rumänien. Dieses würde uns aber nicht der Zoll, sondern die nahe gelegene Spedition auf Schweizer Seite machen. Leider aber, macht die erst um acht Uhr auf. Wertvolle 90Min. gingen verloren bis der Spediteur kam und als erstes meinte, dass er dies nur für eigene Chauffeure machen dürfe.

Er meinte, wenn der Einfuhrstempel des rumänischen Zolls fehlen würde, bekäme er riesige Probleme. Da wir keine Lust hatte wieder heimzufahren, bat ich ihn inständig um das Forumlar und konnte ihn mit meinem eidgenössischen Versprechen doch noch dazu überzeugen. Allerdings dauerte dies nochmals über eine Stunde bis er es ausfüllen konnte, denn er hatte etliche Probleme damit, die rumänische Zollstation an der Grenze zu erfassen. Weil sich das Formular im Computer weigerte die nötige Zollstation an der Grenze zu akzeptieren, kam er irgendwann auf die Idee und nahm eine im Inland gelegene Adresse. Dass dies ein Zollfreilager war, wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Nun ist das Formular endlich fertig und ich muss nur noch ein paar Stempel holen beim schweizerischen und österreichischen Zoll plus nochmals eine Belehrung vom österreichischen Zöllner über mich ergehen lassen und wir durften nun endlich fahren. Habe ich schon erwähnt, dass es das Formular für ein Schnäppchen von CHF 120.– gibt?

Durch die unnötige Verzögerung kamen wir statt am frühen, erst am späteren Abend am Etappenziel in Mako an und konnten gerade noch rechtzeitig einen Happen essen bevor das Restaurant schliesste.

Am Folgetag passierten wir früh die rumänische Grenze und verlangten den für uns, oder den Spediteur zu Hause, so wichtigen Stempel auf die Papiere. Der Zöllner an der Grenze aber meinte, wir sollen zu seinem Kollegen gehen weiter vorne, der mache Stempel. Doch dieser meinte lapidar, er hätte keinen Stempel. Wir müssten an die Adresse auf dem Formular fahren.

Was soll ich diskutieren, liegt ja hoffentlich auf der Strecke. Aber Sabina recherchierte die Adresse und das kostete uns wieder eine wertvolle Stunde Umweg. Bei der Ankunft fühlte sich wieder keiner zuständig. Denn es ist eigentlich keine Zollstation sondern ein Zollfreilager. Immerhin waren uniformierte anwesend, als wir ankamen. Sie waren sogar äusserst hilfsbereit und freundlich. Im ersten Büro war allerdings nur einer für den Betrieb des Zollfreilagers und somit nicht zuständig, im zweiten Büro war der Grenzpolizist und somit auch nicht zuständig. Der telefonierte aber dem Zöllner vom Büro 3 damit dieser sofort vorbeikommt. Der Zöllner war tatsächlich nach 20 Min. da (wer hätte das gedacht) und bat uns auf Deutsch in sein Büro. Zuerst drehte er die Air Condition an, dann den TV und richtete seine wichtigen Stempel auf dem Tisch und setzte sich dann endlich an den Tisch. Nachdem intensiven Studium des Formulars meinte er, er sei nicht zuständig und könne uns keinen Stempel machen.

Die Adresse stimme zwar aber wir müssten nach Arad ins Zollamt. Dort arbeiten sie aber heute Sonntag nicht, sondern erst am Montag wieder. Langsam riss mir der Geduldsfaden, wobei beim Zoll alles stürmen in der Regel nichts hilft. Er kam dann auf die glorreiche Idee und weil ich ihm sagte, dass ich heute noch nach Oderheiu muss, ich könnte auch dort vor Ort zum Zollbüro gehen. Er machte noch ein paar Telefone auf seiner zollinternen Hotline und rief auch noch Agnes Orban an. Wir machen uns wieder mit Zeitverlust auf den Weg zu Agnes. Aber wir kommen nicht mehr rechtzeitig zum Nachtessen mit der Familie von Agnes, sondern können sie nun erst am Montagmorgen treffen.

Am Montagmorgen ging Agnes als erstes auf den örtlichen Zoll um die Formalitäten zu klären. Nun musste es ja gut kommen, wenn eine Einheimische und Ortsansässige sich darum kümmerte. Agnes versuchte ihr bestes, aber Montagmorgen um 8 Uhr dachte noch niemand, dass es bis halb fünf am Abend dauern würde.

Wir mussten hier in Oderheiu erneut zu einer Spedition, da der rumänische Zoll nicht nur das T1 Formular will, sondern noch einige Papiere zusätzlich. Die Spedi ist auch hier zufälligerweise gleich neben dem Zoll. Mit vereinten Kräften (Agnes und ihr Vater Andras, Enikö die Sozialhelferin, Orsi die Vizechefin von der Orban Stiftung, Elisabeth die Dolmetscherin) und Sabina meine Verbindungsoffizierin zur Schweiz, arbeiteten wir mittlerweile im mobilen Büro an den Papieren. Dazwischen natürlich immer wieder Telefonate mit Zoll, einem bekannten von Elisabeth der Anwalt ist, der Arbeitskollegin von Sabina in der Schweiz und und und.

Während Agnes im Auto auf ihrem Laptop die verlangten Papiere tippte, erledigte Sabina in der kalten und ungeheizten Hotellobby auf ihrem Laptop den anderen Teil. Zum einen war das eine detaillierte Packliste inkl. Preisangaben, aber auf gar keinen Fall mit Schokolade, denn das geht schon mal gar nicht. Zum anderen noch eine Bestätigung, dass die Kleider vor der Ausfuhr in der Schweiz desinfiziert wurden. Zum Glück gibt es in der Firma von Sabina auch eine professionelle Reinigung und so konnten wir mit der Unterstützung ihrer Kollegin in Zürich auch noch diese Bestätigung produzieren. Selbstverständlich auf offiziellem Papier der Firma und weil die rumänischen Zöllner gierig auf Stempel sind, inkl. Stempel. Auch wenn es nur ein Kontierungsstempel war, egal, Hauptsache Stempel, dann sieht es wichtig aus.

Ab dem Mittag verlagerten wir unser mobiles Büro zum Zoll auf den Vorplatz und warteten, verhandelten mit Spedition und Zoll und warteten. Ab und zu mussten wir ein Papier unterschreiben, dann ein bestehendes neu schreiben aber mit zusätzlich noch zwei anderen Wörtern mehr und dann wieder unterschreiben. Zu guter Letzt kam ein Zöllner und warf für 10 Sek. einen Blick ins Auto und brummelte dann etwas und gut war es. Die ganze Übung drehte sich also nur um Papiere, Zollnummern, Stempel und Unterschriften. Was im Auto drin war, interessierte schlussendlich niemanden.

Um halb fünf Uhr am Montagabend kam dann die erlösende Bestätigung mit Stempel auf den Papieren, dass nun alles gut sei. Ob das mit dem nahenden Feierabend zu tun hatte?

Fazit: Hätten wir nicht ein ganzes Team an Einheimischen beschäftigen können die auch noch persönlich bekannt sind mit der Spedition und der Zöllnerin, hätten wir nicht von allen Seiten so viel Goodwill erfahren dürfen, wir hätten vermutlich Tage gebraucht.

Nun dürfen wir endlich unseren Lieferwagen ausladen und können uns entspannen. Wir wollten den offiziellen Weg gehen und alles richtig machen, aber haben damit viel Zeit verloren. Hilfswerken wird so die Arbeit extrem erschwert, aber vielleicht ist das auch nicht ganz unbeabsichtigt. Schlussendlich hat es vor allem damit zu tun, dass die Schweiz nicht in der EU ist. Wäre dies so, hätte sich gar niemand für irgendein Formular interessiert.

Mit diesen learnings können wir unseren nächsten Transport nun optimal vorbereiten und werden ohne Zeitverlust die Grenzen passieren. Vielleicht gibt es aber auch neue Überraschungen. Wetten?