Reise zum 25-Jahr-Jubiläum von Rettet Kinder; 25. April bis 1. Mai 2026
Autor: Stephan Meyer
Schluss-Spurt für den Umbau der Küche in Betfalva
Zum 25. Jubiläum unseres Hilfswerkes «Rettet Kinder» haben wir bereits im letzten Jahr angefangen, eine Reise nach Rumänien zu planen. Nun, Ende April ist es so weit. Leider muss Pascal kurzfristig aus familiären Gründen absagen, leiht uns aber grosszügigerweise seinen Reisebus, sodass wir trotzdem sehr kostengünstig nach Rumänien reisen können.
Judith und Stephan machen sich also zu zweit auf den langen Weg nach Betfalva. Mit dabei nochmals eine Menge an Hilfsgütern in guter Qualität, die hier sehr gut gebraucht werden können.
Am Samstagmorgen des 25. Aprils, früh um 5 Uhr, fuhr Judith in Burgdorf ab. In der Fahrweid wartete Stephan um 6 Uhr bereits vor dem Haus mit zusätzlichen Gütern auf den Auflad. Bereits ein paar Minuten später rollte unser Auto wieder, nun zu zweit Richtung Glarus. Nochmals zwei kleine Aufladepunkte von weiteren Hilfsgütern, um dann schliesslich immer Richtung Osten weiterzufahren. Die ersten 1200 km war das Tagesziel für den letzten Samstag im April 2026. Geografisch bedeutet dies die ungarisch-rumänische Grenze.
Bis um 19 Uhr schafften wir dieses Ziel tatsächlich und kamen in Szeged, wenige Kilometer vor der rumänischen Grenze an. Die grosse Überraschung kam dann am anderen Morgen beim Passieren der rumänischen Grenze. In den letzten 20 Jahren haben wir hier jeweils mindestens eine Stunde Zeit verloren und oftmals hatten wir zum Teil grosse Probleme mit Zollformalitäten. Seit dem 1. Januar 2025 ist Rumänien nun aber im Schengenraum und daher werden wir nur noch durchgewunken. Kein Stau mehr, welcher Fortschritt.
Am Sonntag kamen dann mit 500 km der wie gewohnt kürzere und letzte Teil, der aber wegen fehlenden Autobahnabschnitten trotzdem nochmals 6 Stunden in Anspruch nahm. Bis am Abend kamen wir aber auch hier problemlos bei unserer Unterkunft «Gut Falkenhof» in Soimusu Mic, nahe von Betfalva an. Ein einfacher Pferdegutshof mit Zimmern reicht uns dazu. Klara, die Gastgeberin spricht zu unserer Überraschung gutes Deutsch und ist, wir sind es von den Rumänen und Rumäninnen nicht anders gewohnt sind, sehr sympathisch und herzlich.
Am Montag fand dann der erste Besuch bei unserem Kinderheim in Betfalva statt. Agnes, die Leiterin und Inhaberin des Kinderheims erwartete uns bereits. Zu ihrer Unterstützung hat sie Laura, eine Übersetzerin und Deutschlehrerin, dabei. Das macht es für uns alle viel einfacher, da wir sehr viele Fragen zum Kinderheim, zum Umbau und vor allem zu den Finanzen haben. Letzteres ist für uns sehr wichtig, damit wir die korrekte Verwendung der Spendengelder auch nachvollziehen wollen. Das knapp dreistündige Gespräch ist sich Agnes von uns seit jeher gewohnt. Dazu zählen auch Auskünfte zur finanziellen Unterstützung durch den rumänischen Staat und die Gemeinde. Wenig überraschend ist, dass sofern es überhaupt Unterstützung gibt, diese dann sehr klein ist. Für ein Kind erhält sie monatlich 150 Euro. Wie sie mit diesem Geld eine 7x24 Stunden Betreuung und alle Ausgaben wie Mahlzeiten, Kleider, Windeln, Wäsche bezahlen soll, erschliesst sich uns nicht - das ist auch in Rumänien unmöglich.
Wir diskutieren auch Rechtliches und Agnes erzählt, dass die Behörde nun auch vorschreibt, dass die behinderten Kinder regelmässig durch einen Vertrauensarzt untersucht werden müssen, damit ihre Behinderung bestätigt wird.
Unsere mitgebrachten Hilfsgüter wurden wie immer gerne entgegengenommen. Auch zeigte uns Agnes alle Räume und wir konnten uns vom Fortschritt des Umbaus seit dem letzten Besuch selber überzeugen. Besonders benötigt wird nun eine bessere Holzheizung, damit sie alle Räume gleichzeitig heizen können und nicht nur das Wohnzimmer. Die Küche ist schon etwas weiter als beim letzten Besuch, benötigt aber dennoch die typischen Geräte und Abstellflächen, damit sie nicht weiterhin im provisorischen Baucontainer vor dem Haus kochen müssen.
Wir sind an zwei Tagen im Kinderheim gewesen und haben mit ihnen Zeit verbracht. Wir können festhalten, dass es mit dem Umbau vorwärts geht, wenn auch nicht so schnell wie gewohnt in der Schweiz. In Rumänien läuft dies eben etwas anders, es braucht viel mehr Zeit und wenn es am Geld mangelt, kann auch hier nicht gebaut werden.
Mit unseren Eindrücken im Gepäck machten wir uns wieder auf den langen Heimweg in die Schweiz. Wir sind gewillt, uns zu Hause aktiv um die Umsetzung der Projekte Heizung und Küche zu kümmern und dafür Spenden zu sammeln. Mit Total CHF 4000.- können beide Projekte umgesetzt werden. Hoffen wir, dass wir dieses Spendenziel baldmöglichst erreichen werden.
Klara, die Besitzerin vom «Gut Falkenhof» war eine Gastgeberin wie man sie sich nur wünschen kann. An einem Nachmittag nahm sie sich einige Stunden Zeit und führte uns in der Gegend herum, um uns noch weitere Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Ohne sie hätten wir diese nie gesehen. Vetca ist ein Ort mit 750 Einwohnern. Hier organisierte Klara ein Treffen für uns mit dem Bürgermeister Pal Fekete (dt: Paul Schwarz). Er zeigte uns ein altes, renoviertes und erhaltenswertes rumänisches Bauernhaus. Anschliessend lud er uns zu sich nach Hause ein, wo er selbstverständlich eine reichhaltige Vesperplatte servierte und wir uns mit seiner ganzen Familie unterhielten. Seine Schwester sprach sehr gut Deutsch und wir durften eine Herzlichkeit erleben, die einmalig war.
Unsere gesamte Reise verlief problemlos und dauerte eine Woche bis zur Rückkehr in die Schweiz. Da uns Pascal seinen Reisebus unentgeltlich zur Verfügung stellte, tragen wir nur die Reisekosten für Diesel, Übernachtung und Verpflegung. Wie immer übernehmen wir diese Kosten selber und engagieren uns ehrenamtlich. Im Moment ist nur noch offen, wann wir das nächste Mal auf Reise gehen können.
PS: Das ist uns noch nie passiert. Die staatliche Benzingesellschaft Rompetrol schliesst während unserer Reise teilweise ganze Tankstellen, teilweise gibt es keinen Diesel mehr. Dieser wird als Reserve für Sicherheits- und Notfalltransporte benötigt. Da nicht sicher ist, ob auch andere Gesellschaften die Tankstellen schliessen, organisiert uns Agnes 40 Liter Diesel, mit dem ihr Nachbar unseren Tank vor der Abreise nochmals bis oben hin füllt. Das ist gelebte Hilfe und gute Nachbarschaft. Danke!




